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Deutsche Bierheiligtümer

Touristen, die Deutschland bereisen, lernen gerne sogenannte Bierpaläste kennen. Sie merken schnell, daß Sie nicht alle Biere Münchens an einem Platz verkosten können, geschweige denn alle Biere Deutschlands. Das geht auch den "Einheimischen" auf Erkundungstour durch Deutschland so. Jeder Ort hat entweder seine eigenen Biere oder Brauhäuser, die nicht selten an einen der großen Braukonzerne gebunden sind. Gute regionale und überregionale Führer nennen die Besonderheiten beim Namen, erläutern die Zugehörigkeiten, weisen Sie in die Geheimisse einer jeden Bierstadt ein.

 

  • Schlenkerla, Bamberg: Mit rund 200 Sitzplätzen fast klein, aber sehr fein. Eigenes Rauchbier und große DLG Preise locken. Allein der Gewölbekeller ist schon eine Reise wert.
  • Luisen-Bräu, Berlin: Die Nr. 1 am Platz in Charlottenburg, wo Bier eine lange Brautradition hat. Luisen-Bräu liegt in unmittelbarer Nachbarschaft von Schloß Charlottenburg, ein zünftiges Brauhaus mit allem Drum und Dran. Nur wenige Straßen entfernt von der heutigen Luisen-Bräu wurde in der Dankelmannstraße in der Engelhardt-Brauerei gebraut (heute nur noch Sitz der Zentrale). Engelhardt Bier ist nach wie vor ein fester Bestandteil der Berliner Gastro-Szene. Sehenswert auch die Aschinger Gasthaus-Brauerei auf dem Ku'damm.
  • Zum Uerige, Düsseldorf: Eine "Kneipe" der Region, typisch und einfach urig. Man sagt, daß hier das feinste Altbier in ganz Deutschland zu finden sei.
  • Köln: Hier gibt es rund ein Dutzend meist kleine, mittelständische, lokale Brauereien, deren Bier das obergärige Kölsch ist (P. J. Fruh, Päffgen, Reissdorf, Malzmühle und das Gaffelhaus sowie der Küppers Biergarten gelten als touristische Leckerbissen). Ein eigener Bierwanderführer (siehe Anhang) hilft weiter.
  • Brauhaus Hoepfner, Karslruhe: Die Brauerei ist eine Burg mitten in der Stadt der Richter und Henker (Sitz des Bundesgerichtshof) gelegen. Hoepfner experimentiert viel, entsprechend breit ist das Bierangebot.
  • Auerbachs Keller, Leipzig: Hier, im riesigen Faßkeller in der berühmten Mädler Passage tafelte schon Goethe. Er ist auch Schauplatz seines Werkes "Faust".

    Das radelnde Bier

    Im Juni 1922, als Franz Kugler, ein unternehmungslustiger junger Münchener Biergartenbesitzer, einen Fahrradweg durch den Wald schlug, der sein Gasthaus umsäumte, probierten ihn gleich über 13.000 Fahrradfahrer aus. Schnell ahnend, daß sein helles Bier nicht reichen würde, entschied sich Herr Kugler fix, das reichlicher vorhandene dunkle Bier in Zitronenlimonade zu mischen. Werbewirksam erklärte der clevere Kugler den Radfahrern, daß er dieses Getränk extra für sie erfunden habe, damit sie heil nach Hause kämen. Seitdem trägt es den Namen "Radler". Heute auch als fertiges Biermischbiergetränk erhältlich, hat es längst einen Siegeszug ohne gleichen angetreten. Als bekannteste Marke gilt das Henninger Radler aus Frankfurt. Die Stadt ist international berühmt, nicht zuletzt durch das jährlich stattfindende Radrennen "Rund um den Henninger Turm".

     

  • Das Hofbräuhaus, München: Hier befindet sich der älteste und berühmteste Bierkeller in ganz Deutschland (und vermutlich auch der Welt). Trotz seiner riesigen Dimensionen (er faßt über 4.000 Menschen auf drei Ebenen), seines Alters (es wurde 1589 von Herzog Wilhelm V in Auftrag gegeben) und seiner - teilweise unrühmlichen politischen Geschichte - (Adolf Hitler und Vladimir Lenin haben hier ihre Verschwörungen geschmiedet), ist er dennoch ein Bierwallfahrtsort geblieben. Der Biergenuß scheint hier auf den ersten Blick zweitrangig zu sein. Das ist aber nicht der Fall. Ob Pils oder Saisonbiere die häufig auf "-ator" enden oder Maibock im Mai und Märzen von September bis Oktober oder Festbier zur Weihnachtszeit, sorgen sie alle für genügend Abwechslung auf der Getränkekarte. Alle Biere sind ein Genuß, ein moderner Klassiker.
Deutschlands berühmtester Bierkeller: Das Hofbräuhaus in München.

Die kleinste Kneipe Deutschlands befindet sich übrigens im nordeutschen Varel am idyllischen Hafen des Jadebusens.

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Quelle: BIER FÜR DUMMIES dt. Ausgabe D.Kann, H. Latz-Weber und G.Mühlwitz
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