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Einbeck

Willkommen im Mittelalter! Denn Einbeck hat außer der Kunst des Bierbrauens noch etwas anderes zu bieten: ein fast unversehrtes historisches Stadtbild mit mittelalterlichen Fassaden. Kein Wunder, das Einbeck nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für Bierenthusiasten ist.
Einbeck liegt übrigens im Leinebergland, einer Teillandschaft des Weserberglandes, ca. 30 km östlich von der Weser und ca. 35 km westlich des Harzes. Eine Hansestadt war auch sie einst, und somit auch eine berühmte Braustätte. Noch heute ist eine bekannte Biersorte nach der Stadt benannt  das Bockbier. Wen verwundert es also, das es im Einbeck um das Jahr 1600 über 700 Braustätten gab?
Wahrzeichen der Stadt sind übrigens das historische Rathaus aus dem Jahr 1550, die Marktkirche St. Jacobi aus dem 13. Jahrhundert und das Brodhaus aus dem Jahr 1552. Die Ratsapotheke aus dem Jahr 1590 hilft wesentlich dazu bei, das malerische Bild der Fachwerkstadt zu bestimmen.

Einbecker Braugeschichte

Einbeck ist noch heute ein mittelalterliche Stadt, deren Stadtkern durch Fachwerkhäuser geprägt ist. Die Geschichte dieser Stadt kann bis in das 11. Jahrhundert zurückverfolgt werden, denn genau zu dieser Zeit war es, als sich hier eine erste bürgerliche Ansiedlung bildete. Im Jahre 1240 erhielt die Ansiedlung durch die Söhne Heinrichs des Löwen das Stadtrecht. Der Rat der Stadt erwarb von den welfischen Landesherren aber noch andere wichtige Rechte, so zum Beispiel das Münzprägerecht und die Rechtssprechung im Gericht.
Eine Quittung des Herzoghofes belegt es: bereits im Jahr 1378 wurde in Einbeck das Braugewerbe betrieben. Die Einbecker Bürger besaßen schon sehr früh das Braurecht und mälzten sogar selbst. Das Getreide und den Hopfen trockneten sie auf ihren Dachböden, die, wie man heute noch in der Altstadt erkennen kann, Lüftungsöffnungen besaßen. Aber dies ist nicht die einzige Besonderheit der Einbecker Häuser! Damit nicht jeder Bürger einen eigenen Braukessel besitzen mußte, gab es einen öffentlichen, der von Brauer zu Brauer weiter gereicht wurde. Es ist wohl klar, das man den Kessel nicht durch das Fenster heben konnte, und so besitzen viele Häuser Scheunentorgroße Türen.
Dieser öffentliche Braukessel ist im Prinzip auch für den Namen Maibock zuständig, denn der 1. Mai kennzeichnete das Ende der Brausaison. An diesem Tag wurde durch ein Losverfahren bestimmt, in welcher Reihenfolge der Braukessel in der nächsten Saison zwischen den Brauern aufgeteilt wird. Es ist wohl klar das dieser Tag ein besonderer für die ganze Stadt war, der sowohl nach einem Fest, als auch nach einem Bier verlangte.

München und sein Maibock

Es war im Jahre 1591 als im Münchner Hofbräuhaus mit der Herstellung eines Braunbieres begonnen wurde. Sinn und Zweck dieses Gebäudes war allerdings ein anderer, als man zunächst vermutet hätte: das Hofbräuhaus war die private Braustätte Herzog Wilhelm V.
Hier sollte das Einbecker Bier nachgebraut werden, da dem Herzog der Import des Bieres zu teuer wurde. Die dabei entstehenden Resultate waren so gut, das sich der Herzog dazu veranlaßt sah, sein Bier weiter aus Einbeck zu beziehen. Egal wie die Münchner Braumeister es angingen, ein Bier nach Einbecker Brauart wollte ihnen nicht gelingen.
Erst 1612 gelang es den Bayern mit einem Trick, das einbeckische Bier zu brauen  sie warben einen Braumeister aus Einbeck ab! Dieser schaffte es natürlich sehr schnell ein Bier nach einbeckischer Brauart zu brauen, so daß der Import aus Einbeck nicht mehr notwendig war.
 
 
Im 14. Und 15. Jahrhundert war es das Einbeckische Bier, das der Stadt Wohlstand versprach. Es war von vorne herein für den Export gedacht und war somit sehr stark, denn starkes Bier war länger haltbar. Und die cleveren Einbecker hatten eine hervorragende Idee  anstatt das Bier trinkfertig zu versenden, ließen sie es während des Transportes gären. Ob einem mittelalterlichem Bierkutscher ein solches Faß wohl einmal, im wahrsten Sinne des Wortes, um die Ohren geflogen ist?
Als im Jahre 1521 Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms seine Lehre bei einem guten Glas Einbecker Bier verteidigte, gehörte Einbeck mit etwa 6000 Einwohnern zu den größten Städten Niedersachsens. Göttingen war ungefähr ebenso groß, und Hannover um etwa 1000 Einwohner kleiner.
Der Reichtum der Stadt kam also nicht von ungefähr, sondern von der Brauwirtschaft. Dieser Reichtum ermöglichte den Bau sakraler Gemeinschaftsbauten und verspielter Fachwerkhäuser. Allerdings werden sie kein Bürgerhaus finden, das vor 1540 datiert ist, denn hier fiel die Stadt einer Feuersbrunst zum Opfer, die alles vernichtete. Scheinbar wurde in der Stadt nicht nur gerne gebraut, sondern auch gerne gezündelt, und so viel die Stadt einer erneuten Feuersbrunst im Jahr 1549 zum Opfer, bei der zwei Drittel der gerade wieder aufgebauten Häuser vernichtet wurde.
Einbeck war prädestiniert dafür, eine Handelsstadt zu werden, denn sie lag genau am Schnittpunkt mehrerer Handelswege. Die Hanse erkannte dies schnell und so wurde Einbeck nicht nur zur Hansestadt, sondern auch zum Brauzentrum der Hanse.
Doch der Handel war nicht immer so einfach, wie es sich hier anhört! Zum einen hatten die Einbecker (oder besser: die Liebhaber des Einbecker Bieres) mit enormen Frachtkosten zu kämpfen, zum anderen sahen die Stadtoberen es nicht immer gerne, wenn Einbecker in großen Mengen importiert wurde, schließlich war die Biersteuer eine ihrer Haupteinnahmequellen. Es ist zum Beispiel belegt, das eine Tonne Einbecker, das in Einbeck selbst noch 1 Gulden gekostet hat, in München schon 3 Gulden kostete. Der Preis hatte sich dank der Frachtkosten verdreifacht.
Die Lösung war denkbar einfach, aber wahrscheinlich nicht zum Gefallen der Einbecker: Zoll. Diese sogenannte Ziese wurde auf jedes Faß Einbecker erhoben das einen Zollbereich durchquerte. So ist zum Beispiel aus Lüneburg bekannt das jedes Faß Einbecker mit einer Ziese von 20 Pfennig belegt wurde. Der Ausschank fremder Biere wurde in den meisten Orten schlicht und ergreifend verboten. Doch Einbecker stellte hier oft die einzige Ausnahme dar  so durfte das Bier zwar ausgeschenkt werden, vor der Ziese blieb man aber nicht verschont. Das Bier war bei den Leuten sehr beliebt, und so wissen wir heute, das zum Beispiel die Stadt Hamburg bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts beträchtliche Einnahmen mit dem Verkauf Einbecker Bieres erzielte.
Ein Beispiel für den rigorosen Verbot Einbecker Bieres stellt übrigens die Stadt Göttingen dar, deren Stadtväter es lange Zeit gelang, fremdes Bier der Stadt fernzuhalten. Als die Göttinger Bürger Mitte des 15. Jahrhunderts versuchten, sich dennoch Einbecker Bier zu beschaffen, erließ der Rat der Stadt mehrere Verordnungen, die schwere Strafen zu Folge hatten: Drei Fuder Steine sollte derjenige zur Stadtmauer karren, der die Stadt mit der Absicht verließ in Einbeck ein Gläschen Bier zu trinken. Wer Einbecker Bier mit in die Stadt brachte oder es sich in die Stadt bringen ließ, mußte 10 Fuder Steine zur Stadtmauer bringen. Nur Kranken oder Hochzeitspaaren war es gestattet, Einbecker Bier in die Stadt bringen zu lassen. Es ist wohl klar, das sich diese Anordnungen nicht lange halten konnten. Ob die Göttinger ihre Stadtmauer so den Einbeckern zu verdanken haben, können wir allerdings nicht mit letzter Gewißheit ausschließen.
Im 30jährigen Krieg endete die rege Handelstätigkeit Einbecks und die Bevölkerung verringerte sich um mehr als die Hälfte. Einbeck sank zu einem unbedeutenden Landstädtchen herab.
Nach den Wirren des Siebenjährigen Krieges erholte sich Einbeck Ende des 18. Jahrhunderts. Diesmal allerdings nicht aufgrund des hergestellten Bieres, sondern aufgrund des Textilgewerbes das durch viele Spinnereien und Webereien unterstützt wurde. Aber wo gearbeitet wird, wird auch Bier getrunken, und so erlebte schließlich auch das Braugewerbe wieder einen Aufschwung.
Die Einbecker sind nicht umsonst stolz auf Ihre Stadt, so findet man am Ortseingangsschild neben drei Bierfässern auch den Hinweis "Willkommen in der Bierstadt Einbeck" ...

Die historische Entwicklung des Einbecker Brauhauses

Bereits im Mittelalter war der Bierhandel für die Stadt Einbeck bedeutungsvoll. Jeder Einbecker Bürger hatte das Recht, Bier zu brauen, und  was vielleicht noch viel besser war  der Rat der Stadt kaufte die gesamte überschüssige Biermenge auf. Der Rat setzte sich allerdings nicht aus notorischen Biertrinkern zusammen, sondern verkaufte das Bier ins Umland. Später sogar im gesamtdeutschen Raum und ins europäische Ausland. Hier eine kleine Zeittafel des Einbecker Brauhauses, das seine Geschichte verdeutlichen soll:
28. April 1378: Die älteste vorhandene Rechnung über den Verkauf von 2t Einbecker Bier nach Celle.
17. April 1521: Martin Luther erhält von Herzog Erich auf dem Reichstag zu Worms ein Krug "Einbecker" und bedankt sich mit den Worten: "Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt"
1540: In Göttingen wird nach Einbecker Art gebraut.
1612: Der Einbecker Braumeister wird für das neu erbaute Hofbräuhaus nach München abgeworben. Hier wurde, bedingt durch die Münchner Mundart, aus dem "Ainpockischen Bier" zunächst das "Ainpeckische Bier" und später das "Einbockbier".
1794: Errichtung einer Gemeinschaftsbrauerei mit dem Namen "Städtische Brauerei".
1844: Die Gemeinschaftsbrauerei wird in "Städtische Dampfbierbrauerei der Stadt Einbeck" umbenannt.
1851: Erste Flaschenbierabfüllung.
1860: Die erste Dampfmaschine wird installiert.
1873: Gründung der Brauerei Domeier & Boden.
1922: Zusammenschluß der Brauerei Domeier & Boden, und der städtischen Brauerei durch die Hildesheimer Aktienbrauerei, die beide erworben hat.
1951: Installation moderner Brauanlagen.
1967: Umfirmierung in "Einbecker Brauhaus Aktiengesellschaft". Der Hauptsitz wird von Hildesheim zurück nach Einbeck gelegt.
Das Einbecker Brauhaus gelangte übrigens über einen lagen Weg in die Arme der Deutschen Brauerei Holding GmbH, die heute Hauptaktionärin ist. Zwischenzeitlich gehörte es auch schon der Dortmunder Union, und der aus der Fusionierung dieser Brauerei mit der Berliner SchultheissBrauerei hervorgegangenen Brau und Brunnen AG.

Bockbier

Das "Ainpockische Bier", oder besser gesagt, das Bockbier ist die Spezialität Einbecks. Zurückblickend auf eine Jahrhunderte alte Geschichte verdanken wir letztendlich die Namengebung den Bayern  auch wenn sie es gerne trinken, so waren es letztendlich nicht sie, die diesen Braustil berühmt machten. Noch heute ist Bockbier ein beliebtes Getränk in Bayern, das zum Beispiel beim Münchner Starkbierfest genossen werden kann.
Bockbier ist  wie man wohl leicht vermuten kann  ein untergäriges Starkbier. Es ist malzig und etwas süß. Ausgeschenkt wird es zumeist vom Herbst bis in das Frühjahr. Natürlich gibt es inzwischen alle möglichen und unmöglichen Arten von Bockbieren. Der Doppelbock zeichnet sich zum Beispiel durch einen hohen Alkoholgehalt aus. Die meisten Weihnachtsbiere sind übrigens auch Bockbiere.
Bockbiere müssen stark sein, in Deutschland gilt für sie ein Mindeststammwürzegehalt von 16 %, Pils besitzt im Vergleich hierzu 12 %.
Eine Besonderheit gibt es übrigens noch über die Bockbiere zu erzählen: Mit der Zeit kamen  vor allem in Bayern  besonders starke Bockbiere auf den Markt, die allesamt auf den Namen ator endeten, so zum Beispiel der Salvator Doppelbock, das Maximator, das Optimator oder sogar der Triumphator. Diese starken Bockbiere, die auch Doppelbock genannt werden, müssen übrigens einen Stammwürzegehalt von 18 % vorweisen  sie sind also nicht wirklich doppelt so stark, wie ein Bockbier.
Eine ganz besondere Delikatesse wird übrigens von Reichelbräu in Kulmbach vertrieben  der Eisbock. Er wird nach dem sogenannten IceRifingVerfahren hergestellt (Das Bier wird gefroren, und da Wasser vor Alkohol gefriert, kann dieses dem Bier entzogen werden und man erreicht somit einen höheren Alkoholgehalt).

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Quelle: BIER FÜR DUMMIES dt. Ausgabe D.Kann, H. LatzWeber und G.Mühlwitz
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