Willkommen in einer von Deutschlands schönsten
Städten, Willkommen in Süddeutschland! Die bayrische Landeshauptstadt
ist die führende Fremdenverkehrsstadt Deutschlands, und so ist
es nur natürlich, daß die meisten Ausländer München bzw. Bayern
als Deutschland ansehen. Das Bild der Deutschen im Ausland ist
somit stark geprägt von der bayrischen Lebensart: Der Mann trägt
Lederhosen, die Frau ein Dirndl, gewohnt wird in einem mittelalterlichem
Fachwerkhaus und pro Tag werden 5 Liter Bier getrunken. Sie lachen?
Das sollten sie nicht - besuchen sie einmal Disneyland und sie
werden sehen, das dies keineswegs übertrieben ist.
Zu sagen, das es in München eine Bierspezialität gibt, wäre genauso,
als würde man sagen, das die Belgier nur Pommes Frittes essen.
Der Münchner kennt viele Biere, die sowohl in der Stadt selbst
als auch in der Region beheimatet sind. Darunter sind vor allem
Saisonbiere, also Bockbiere, aber auch andere Spezialitäten, wie
zum Beispiel das Oktoberfestbier, das Münchner Helle oder auch
das Weizenbier. Vorstellen wollen wir in diesem Kapitel das Weizenbier,
das typisch für die Süddeutsche Region ist.
Münchner Braugeschichte
Das Bierbrauen hat, wie überhaupt alles in München, eine lange
Tradition. Wie in den Chroniken der Stadt nachzulesen ist, wurde
bereits 1328 von den Augustiner-Mönchen Bier gebraut. Überhaupt
war das Bier Brauen bei den Geistlichen sehr beliebt. Das Motto
der Mönche war "Ora et labora" (Bete und arbeite)
und es war ein hartes Leben, daß sie im Mittelalter führten.
Hinzu kam, das zahlreiche Fastentage den Körper schwächten und
auch in der fastenfreien Zeit war der Tisch nicht gerade üppig
gedeckt. Den Kirchenoberen wurde wohl schnell klar, daß dies
auf Dauer der Gesundheit der Mönche nicht zuträglich war, und
so gab es eine Ordensregel, die besag-te: "Liquida non
frangunt ienum" (Flüssigkeiten brechen das Fasten nicht).
Und Bier, das flüssige Brot, war wie geschaffen für die Mönche.
Im Mittelalter gab es über 500 Bier brauende Klöster in ganz
Deutschland, davon im Jahre 800 alleine 300 in Bayern, und viele
davon brauten bereits seit über 150 Jahren Bier! Die geistliche
Konkurrenz war dem Braugewerbe natürlich ein Dorn im Auge, denn
die Mönche brauten kei-neswegs nur für den Eigenbedarf. Man
muß ihnen aber zugute halten, das sie ein sehr gutes Bier brauten
(nicht umsonst brauen manche dieser Klöster noch bis heute Bier).
Was allerdings zu denken geben sollte, ist die Rationierung
des Bieres in den Klostergemäuern. Jedem Klosterinsassen wurden
am Tag 5 Maß Bier zugestanden. Eine ganze Menge Flüssigkeit,
um genau zu sein 5 Liter! Natürlich verpflegten die Mönche und
Nonnen mit dem Bier auch Be-dürftige und Pilger.
Die Geschichte des Münchner Bieres ist eng mit der Geschichte
des Bayernherzogs Ludwig I. verflochten, der zu Ende des 12.
Jahrhunderts (kurz nach der Stadtgründung) das Münchner Bier
als endlos sprudelnde Steuerquelle für sich entdeckt hatte -
die Vergabe des Braurechts wurde zur Chefsache. Bier wurde zur
damaligen Zeit übrigens nicht nur zu besonderen Anlässen getrunken,
sondern es war ein Alltagsgetränk wie heute Wasser, Kaffee oder
Tee. Rechnet man einmal mit einem spitzen Bleistift nach, kommt
man schnell darauf, das Ludwig I. sich abends - wenn er sich
unbemerkt glaubte - vor lauter Freude wohl auf der Erde kugelte
...
Bier wurde übrigens nicht nur als Getränk gesehen, sondern auch
als Kraft- und Heiltrunk. Und überhaupt kam der gesundheitliche
Aspekt ziemlich früh ins Spiel: 1487 erließ Herzog Albrecht
IV. für die damalige Residenzstadt München eine Bierordnung
die zur Qualitätsbasis der Münchner Biere wurde. Das Reinheitsgebot
wurde übrigens erst 1516 erlassen und galt für ganz Bayern -
die Münchner waren ihrer Zeit also mal wieder voraus. Der Inhalt
dieser Bierordnung unterschied sich im Wesentlichen übrigens
kaum vom Reinheitsgebot des wittelsbacher Herzogs Wilhelm IV.
Um die Jahrhundertwende gab es 25 Brauereien in München, 1930
waren es noch 10. Im zweiten Weltkrieg war München, als eine
der größten deutschen Städte, ein Hauptangriffsziel der Alliierten
und die Brauereien wurden fast vollständig ausgebombt. Der Wiederaufbau
erfolgte nach den neusten technischen Gesichtspunkten.
Aber dies ist noch nicht alles: nicht nur in Deutschland ist
das Münchner Bier beliebt, sondern auch international. Münchner
Brauer exportieren ihr Produkt in 140 Länder. Mehrere Millionen
Hektoliter Bier werden jährlich ausgestoßen und ein Gesamtumsatz
im Milliardenbereich wird erzielt. 6 Großbrauereien sind heutzutage
noch in München beheimatet: Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräuhaus,
Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Zusammen beschäftigen diese
Brauereien weit über 3.000 Angestellte - nicht umsonst gilt
München als Bierstadt.
Münchner Bier-Jahreszeiten
Wenn wundert es - in Bayern ticken nicht nur die Uhren anders,
sondern ganze Jahreszeiten fallen dem lokalen Brauchtum zum
Opfer. Beginnen tut das Jahr im März mit der Starkbierzeit.
Das Bier war ursprünglich dazu gedacht, die lange Fastenzeit
zu überstehen. Kaum ist diese vorbei folgt im Mai auch schon
der Maibock.
Im Sommer folgt die Biergartenzeit. München hat in seinen Biergärten
sage und schreibe 150.000 Plätze anzubieten, wobei manche Biergärten
alleine schon auf 5.000 Plätze kommen. Das Oktoberfest läutet
das Ende der Biergartenzeit ein, und so kann auf der Wies'n
das schmackhafte Oktoberfestbier genossen werden.
In der Winterzeit gönnt man sich dann einen Festbock, der Weihnachten
in Geschenkkartons als "Gruß aus München" weltweit
verschickt wird.
Weizenbier
Etwas über Weizenbier zu schreiben ist fast genauso, als wolle
man alle deutschen Biersorten auf einmal charakterisieren. Es
gibt helles und dunkles Weizen, es gibt hefetrübes und kristallklares.
Mann kann es mit Zitronen trinken, aber auch ohne, aus der Flasche
oder aus dem Glas, wie wäre es denn mit einem Weizenbock?
Die Unterschiede liegen zumindest bei den verschieden Weizenbieren,
oder auch Weißbieren genannt, klar auf der Hand: ein hefetrübes
enthält Heferückstände, ein kristallklares ist gefiltert und
ein Dunkelweizen wird mit einem dunklen Malz hergestellt. Der
Stammwürzegehalt dieser Biere liegt meist zwischen 12 und 13,5
%, beim Weizenbock liegt er etwa bei 16 %. Im Vergleich hierzu:
Pils besitzt einen Stammwürzegehalt von 12%.
Das Weizenbier ist herrlich erfrischend und wird von den Münchnern
besonders gerne im Sommer in den unzähligen Biergärten genossen.
Als besonders erfrischend gilt es hierbei, eine Zitronenscheibe
in das Glas zu geben. Auch wenn der Nutzen umstritten ist: schön
anzusehen ist es allemal und es betont die spritzige Note des
Weißbieres.
Ein bekanntes Weizen stammt aus der Brauerei Weihenstephan,
welche die älteste Brauerei Deutschlands ist. Ihre Geschichte
läßt sich bis in das Jahr 725 zurückverfolgen, wo Benediktiner-Mönche
sich in Freising niederließen. Wie alle Mönche zur damaligen
Zeit brauten auch die Benediktiner Bier - belegt ist das ganze
seit 1040. Und das ist auch schon alles was man weiß, da Weihenstephan
leider mehrmals geplündert und gebrandschatzt wurde - an seinem
Ambi-ente hat das Kloster dadurch aber nichts verloren. Heutzutage
beheimatet Wei-henstephan wohl die weltweit berühmteste Hochschule
für das Brauwesen und gehört zur technischen Universität München.
Der Bierpreis
Die Münchner und die Bierpreiserhöhungen - wahrlich eine Geschichte
die sich lohnt erzählt zu werden, denn während man in anderen
deutschen Städten die Erhöhung murrend akzeptierte, so führte
dies in München zum offenen Aufruhr der Bürger!
Die Obrigkeit wußte sich oft nicht anders zu helfen und ließ
das Militär ausrücken. Freiwillig ergab sich natürlich niemand,
und so gingen regelmäßig die Fensterscheiben und das Mobiliar
der Münchner Brauhäuser zu Bruch, gelegentlich gab es sogar
Tote und Verletzte. Und wer nun glaubt das dies im Mittelalter
statt fand, weit gefehlt, die Salvatorschlacht wurde zum Beispiel
1888 geschlagen.
Erst 1910 schafften es die Brauer eine Bierpreiserhöhung auf
friedliche Art und Weise durchzusetzen, denn zuvor mußten die
Erhöhungen immer wieder rückgängig gemacht werden.
Lediglich 1823 gelang es den Brauern eine Erhöhung um sage und
schreibe einen Pfennig durchzusetzen. Allerdings hatte dies
auch einen guten Grund: bei einem Feuer im Hof- und Nationaltheater
waren alle Löschbrunnen zugefroren. Die Feuerwehr löschte den
Brand deshalb mit Bier und räumte die Lager sämtlicher Münchner
Brauereien aus. Ein vergebliches Opfer, denn das Theater brannte
völlig aus, und das gesamte Bier war auch weg. Die Münchner
waren aber gerne bereit den einen Pfennig mehr zu bezahlen,
da dadurch zum einen die Brauer entschädigt wurden, und zum
anderen der Wiederaufbau des Theaters finanziert wurde.
zurück
|