O.k., jetzt sind Sie ein aktiver Sammler,
und Sie möchten sich spezialisieren. Worauf wollen oder sollen
Sie sich konzentrieren? Denken Sie vor allem immer daran, daß
nicht so viele 1.000 DM teure Biergläser auf den Markt geworfen
werden, wie es Sammler gibt. Die Anzahl solcher Editionen ist
in der Regel limitiert. Hier eine Liste der verschiedenen, praktischeren
Sammlerstücke mit ihren Vor- und Nachteilen:
· Flaschen: Es gibt zwei triftige Gründe, das Sammlen
von Bierflaschen zu unterlassen: 1.: Standardbierflaschen
sind von geringem Wert (meist nur Pfandwert), es sei denn
es handelt sich um alte, historische Flaschen mit Glasbeschriftung
oder außergeöhnliche Flaschenformen (z.B. das modere Wedelbräu-Glas)
und 2.: Flaschen sind schwer, können brechen und brauchen
viel Platz und Pflege. Wenn Sie Flaschen sammeln möchten,
bereiten Sie sich auf jede Menge Kopfschmerzen vor! Denn nur
geleerte Flaschen sollten in Ihre Sammlung gelangen, und zum
Wegschütten ist das Bier ja viel zu schade.
· Dosen: Können durchaus von Wert sein, wenn sie beispielsweise
außergewöhnich in Form und Farbe sind. Dosen mit Fehldrucken
sind manchmal sogar unbezahlbar. Sie gehen aber leicht kaputt,
wenn sie nicht richtig gelagert werden. Ältere Blechdosen
verrosten sogar schnell unter feuchten Lagerbedingungen. Außerdem
gilt wie bei Bierflaschen: Lagern Sie möglichst keine volle
Dosen - sie könnten auslaufen!
Bier wird übrigens in unterschiedlichen Dosengrößen angeboten.
Üblich sind in Deutschland 0,33 l, 0,5, 1 l und 5 l- Dosen.
Niemand weiß aber genau , wieviele unterschiedliche Dosengrößen
weltweit existieren. Eine vorsichtige Schätzung geht von mehr
als 20.000 Dosen in unterschiedlichen Größen und Marken aus.
· Bierdeckel: Haben wenig Wert, es sei denn sie sind
sehr alt und in gutem Zustand (einige sind auf Auktionen schon
für für 300 DM und mehr verhökert worden). Gut erhaltene Bierdeckel
(ohne Bierflecken) sind gut zu Werbezwecken geeignet. Bierdeckel
lassen sich zudem recht einfach lagern.
· Flaschenverschlüsse: Von geringem oder keinem Wert,
es sei denn sie sind alt und gut erhalten. Die beste Art Kronkorken
beim Öffnen vor Beschädigungen zu schützen, ist es, eine große
Münze beim Öffnen auf den Kronkorken zu pressen. Denn Vorsicht:
Flaschenöffner verbiegen die Kronkorken.
· Etiketten: Sehr wertvoll, wenn sie alt, noch nie
verwendet und in gutem Zustand sind. Die richtige Lagerung
erfordert aber viel Aufmerksamkeit (ähnlich wie bei Briefmarken),
da sie leicht zerstört werden können. Sie sind sehr beliebt
für Publikationszwecke und bei Ausstellungen.
Beginnen Sie Ihre Etikettensammlung, indem Sie möglichst
viele Brauereien anschreiben und um ungebrauchte Etiketten
bitten. Die meisten schicken sie Ihnen kostenlos zu (da sie
es für eine gute Werbemaßnahme halten), andere verlangen Geld
dafür. Am besten, Sie legen einen an sich selbst adressierten
und frankierten Rückumschlag ihrem Bittschreiben bei. Viele
Etiketten sind übrigens sehr prachtvoll gestaltet; andere
äußerst witzig.
· Flaschenöffner: Möglicherweise das beste Sammelobjekt.
Grund: Flaschenöffner sind praktisch, klein und einfach zu
lagern. Unter normalen Bedingungen gehen sie kaum kaputt,
habe eine hohe Werbewirksamkeit und sind dennoch funktionell.
Der Nachteil ist, daß nur wenige einen echten Sammlerwert
besitzen.
· Gläser: Gläser mit Brauereilogos oder Markennamen
können wertvoll sein. Meist ist dies abhängig von der Brauerei,
dem Glashersteller und dem Markennamen. Ich empfehle dringend
die Gläser nicht zu benutzen, weil sie so zerbrechlich sind.
Nur komplette Serien stellen in der Regel einen echten Wert
dar. Behandeln Sie die Gläser wie ein rohes Ei.
Alternativ bietet sich auch das Sammeln von Bierkrügen an.
Einige werden nur zu besonderen Anlässen (100 jähriges Jubiläum
der Brauerei etc.) herausgegeben und sind dann heiß begehrt.
Ihre Auflage ist meist limitiert und der Wert steigt schnell.
Krüge sind im allgemeinen schwerer und haltbarer, aber auch
teurer in der Anschaffung als Gläser
· Streichholzschachteln: Sehr einfach zu lagern und
zu Werbezwecken sehr beliebt. Alte Schachteln sind ziemlich
schwierig aufzutreiben. Sie zu suchen ist eine ernste Herausforderung
für jeden Sammler und möglicherweise wird ein hoher Preis
verlangt. Grund: Viele Zündholzschachteln sind Rauchern und
Feuerkünstlern zum Opfer gefallen. Die moderne Variante ist
das Sammeln von bierig bedruckten Feuerzeugen.
· Plakate: Ein Betätigungsfeld für Leute mit viel
Platz. Vorsicht und Fingerspitzengefühl sind geboten. Original
und Fälschung liegen dicht beieinander. Plakate sind aus Papier
- unsachgemäß aufbewahrt ist der Glanz schnell dahin. Doch
alte Werbeplakate in gutem Zustand sind heute begehrte Sammlerstücke
für die teilweise utopische Preise gezahlt werden. Ähnliches
gilt übrigens für alte Emailleschilder. Manche sind bereits
unbezahlbar.
· Firmenlogos: Neonzeichen sind recht kostspielig
und sehr zerbrechlich, und nur für Experten mit technischem
Verstand geeignet. Die meisten alten Brauereizeichen wurden
früher aus haltbareren Materialien, wie Holz und Zinn hergestellt.
Heute werden viele Einzelteile aus Plastik- und Pappe produziert.
· Zapfhähne: Hergestellt aus Holz, Plastik, Metall
oder Acryl sind sie in alle Formen und Größen erhältlich.
Die Qualität ist recht unterschiedlich, aber auch die einfachen
sind nicht unbedingt preiswert. Wenn Sie planen, sich darauf
zu spezialisieren, müssen Sie wahrscheinlich Ihr Sparschwein
schlachten.
· T-Shirts und Kappen: Ein noch recht junges Betätigungsfeld
für Sammler. Die Kollektionen füllen leicht ganze Schränke.
Doch nur in der Originalverpackung, unverwaschen und nicht
getragen haben sie einen gewissen Wert.
· Pins und Medaillen: Unter jungen Sammlern ist hier
in den letzten Jahren eine wahre Leidenschaft ausgebrochen.
Sie werden - falls doppelt vorhanden - gerne getauscht, und
haben sich zu einer Art eigenen Bierwährung entwickelt. Ein
Pin gleich ein Glas Bier.
· Fässer: Alte Holzfässer namhafter und weniger bekannter
Hausbrauereien können - da nicht mehr im Angebot - einen beachtlichen
Preis erzielen.
· Kartenspiele: Fast jede Brauerei bietet für Zocker,
Poker- und Skatfans Kartenspiele an. Die Rückseite der Karten
ziert das Firmenlogo oder die Biermarke(n) des Hauses. Andere
haben sogar die Spielkarten selbst mit einbezogen. Ein echtes
Betätigungsfeld, aber kaum geeignet für die Kartenspieler
unter den Bierfans.
Denken Sie daran, daß nicht alle Brauerei-Werbemittel alt
oder antik sein müssen. Die vielen tausend Brauereien weltweit,
die zur Zeit Bier produzieren, bieten einen Überfluß an Sammlerstücken
und Werbemitteln. Die meisten Dinge können nur in der Brauerei
direkt erworben werden, zunehmend wird aber auch über das
Internet verkauft. Spezialisierte Shops und Kneipen bieten
gleichfalls eine breite Palette an Kappen, T-Shirts, Sweatshirts,
zusammen mit Biergläsern, Krügen und anderen Sammelstücken
an.
Einige Leute konzentrieren sich beim Sammeln nur auf Dinge
von Spezialitäten- oder Hausbrauereien, oder aus bestimmten
Ländern. Im Vergleich zu denen, die von allen Brauereien möglichst
alles sammeln, haben sie damit eher Vorteile. Bereits geschlossene
Brauereien bieten dabei einen besonders großen Anreiz, da
man sicher sein kann, das von dieser keine neuen Werbemittel
mehr erscheinen (Stichwort: abgeschlossenes Sammelthema).
Das Tausenddollar-Glas
Kürzlich wurde bei einer Auktion ein Rekordpreis für ein
normales Bierglas erzielt. Ein Bieter zahlte $1.020 für ein
Glas aus dem 19. Jahrhundert, das mit einer weißen Porzellanoberfläche
versehen und mit einem farbigen Emaillelogo (der Anaconda,
Brauerei aus Montana)verziert ist. Fragt sich nur, was der
passende Bierdeckel kostet.
Der Millionen Dollar-Deal mit einer Millionen Sammlerstücke
1951 kaufte Herb Haydock, ein junger Mitarbeiter der US-Luftwaffe
in München, acht vor Ort erhältliche Biergläser, die sein
lebenslängliches Sammlerinteresse erweckten. Es führte schließlich
dazu, daß er über 1 Millionen verschiedene Bier- und Brauereiutensilien
aus ganzen der Welt sammelte.
Als die Zeit der Pensonierung näherrückte (und sein Haus einschließlich
Garage aus allen Plätzen platzte), waren Herb und seine Frau,
Helen, glücklich, als sie einen Käufer für die Sammlung fanden:
Die Brauerei Oldenberg in Ft. Mitchell, Kentucky. Der Preis,
so wurde berichtet, soll für die gesamte Sammlung über 1 Million
Dollar betragen haben, einschließlich Bratpfannen, Zahnstocher,
Nähutensilien, Anglerstiefel und Golfschläger. Alles sollte
ausgestellt werden und somit eröffnete die Brauerei 1987 für
diese vielleicht einmalige Sammlung ein neues Museum.
Leider konnte nicht mehr als die Hälfte der Sammlung gezeigt
werden und 1996 wurde sie sogar an die Miller Brewing Company
weiterverkauft. Deren Pläne für die Sammlung sind noch nicht
bekannt.
Oldenberg selbst hat jetzt eine zweite Sammlung mit derzeit
"nur" 150.000 Stücken begonnen - primär ausgerichtet
auf Mikrobreweries.
Flaschen aus aller Welt - Guinness Rekord
Peter Broeker darf sich rühmen im Guinness Buch der Rekorde
verewigt zu sein. Sein Hobby: Eine Sammlung von Bierflaschen
aus aller Welt. An die 10.500 Flaschen aus 2188 Brauereien
aus 134 Ländern zieren die Regale des Versicherungskaufmanns,
55, aus Geesthacht bei Hamburg, und nehmen zur Freude von
Ehefrau Gisela fast das ganze Haus in Beschlag. Mehr als die
Hälfte der Flaschen stammen aus Deutschland, 4137 aus dem
Ausland. Statistisch gesehen wächst seine Sammlung pro Tag
um zwei bis drei Flaschen. Besonders auf Urlaubsfahrten füllen
Kisten und Koffer mit Flaschen den Kofferraum des Hobbysammlers,
dessen Sammlerleidenschaft in den siebziger Jahren begann,
als seine Frau Bierflaschen von einem Kegelausflug mitbrachte.
Ursprünglich sollten die ersten Flaschen seine Kellerbar schmücken.
Von Ägypten bis Zypern ist er schon gereist, um seine Sammlung
zu vervollständigen. Mehr als ein Fünftel aller Flaschen sind
Pilsflaschen. Die Flaschengrößen reichen von 0,01 l- Miniaturen
bis hin zum 3-Liter Gebinde.