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Kaufen oder stehen lassen

Viele Leute entwickeln eine gewisse Kaufscheu, wenn sie in einem Geschäft auf zerquetschte Tomaten, angefaulte Melonen, welken Salat, schimmligen Käse oder schon leicht verwestes Fleisch in den Kaufregalen blicken. Das Ablesen des Mindesthaltbarkeitsdatums auf den Verpackungen von Nahrungsmitteln hat sich langst zu einem Sport in den Geschäften entwickelt. Was nicht frisch sein darf, auch wenn es noch frisch aussieht, bleibt in den Regalen liegen.
Ganz anders ist die Situation, bei Weinenthusiasten. Ihnen kommt es weniger auf die Frische, sondern mehr auf den Jahrgang an. Je besser das Weinjahr in einschlägigen Kritikermagazinen abgeschnitten hat, desto höher die Preise für edle Weine. Je älter der Wein und je länger die Reifezeit, desto begehrter das Tröpfchen.
Bei diesen Gegensätzen müßte es doch eigentlich selbstverständlich sein, daß Biertrinker gerne die Frische eines Bieres zugestanden wird. Bier ist eben nur dann erfrischend und labend, wenn es jung und kühl über einen begrentzen Zeitraum gelagert wurde. Um es auf den Punkt zu bringen: Jedem Trinker das Seine. Frisches Bier den Bierfans, gereifter Wein den Weinenthusiasten, Whisky den Portionsgenießern für den stillen, langsamen Genuß.

Dosen verheimlichen viel

Dosenbier ist kein Faßbier. Diesem Irrtum unterliegen leicht viele Konsumenten. Vor allem dann, wenn sie auf die niedlichen kleinen 5-l-Partydosen zurückgreifen. An ein Bier - frisch vom Zapfhahn - reichen Dosenbiere aber nicht heran. Faßbier läßt sich nicht in einer Dose oder Flasche verpacken, ohne seine jugendliche Frische und Unberührtheit verlieren. Bier in Dosen muß beim Abfüllen zumindest kurzzeitig erhitzt - sprich pasteurisiert werden. Daß hier ein wenig die Frische verloren geht, ist wohl jedem klar. Nicht umsonst heißt es unter Kennern: "Bier aus Dosen schmeckt wie tote Hosen". Einmal geöffnet muß das Bier sehr schnell getrunken oder "weggekippt" werden.

Trotzdem sind die Dosen unaufhörlich auf dem Vormarsch. Bereits 20 % der abgefüllten Biermenge in Deutschland wandert in Dosen über die Ladentheken. Ihr Vorteil: sie ist leicht und schnell zu entsorgen.
Anders die Faßabfüllung. Traditionell in der Gastronomie beliebt, sind Fässer der Inbegriff eines frischen Bieres. Auch hier wird etwas 20 Prozent der Biermenge vermarktet. Vor einigen Jahren war es noch jedes vierte Bier. In manchen Städten wie Köln - wo das obergärige Kölsch wie von Gaffel oder Küppers zu Hause ist - ist es heute sogar noch jedes zweite. Moderne Bierfässer heißen KEG's (Metallfässer mit direktem Leitungsanschluß). Sie lassen sich leicht und problemlos reinigen. Die früher bekannten Holzfässer sind nur noch recht selten anzutreffen. Bei der Abfüllung wird zunächst ein Gegendruck im Faß erzeugt. So kann das Bier nicht aufschäumen und es geht keine Kohlensäure verloren. An Zapfanlagen mit zugefügter Kohlensäure versehen, erhält ein Faßbier seinen unnachahmlichen frischen Geschmack. Für den privaten Bereich waren solche Fässer bislang im wesentlichen unbekannt. Kleine 10- l- Holzfässer - sogenannte Pittermänchen - tauchten hier und da auf, waren aber nur für den schnellen Verzehr des Bieres gedacht. KEG-Fässer in 12,5-l-Größe mit eingebautem Kohlensäurevorrat gibt es erst seit kurzem. Die norddeutsche Flensburger Brauerei gilt als einer der Vorreiter. Sie passen in jeden normalen Kühlschrank. Vorteil: Nach dem Anstich bleibt das Bier gut eine Woche lang frisch. Nachteil: Die Faßmietgebühr ist beträchtlich.

Wer Bier liebt, soll Faßbier trinken und das möglichst frisch. Bier ist ein Durstlöscher.

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Quelle: BIER FÜR DUMMIES dt. Ausgabe D.Kann, H. Latz-Weber und G.Mühlwitz
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